Tutorial: Intarsienstricken in der Runde

Tutorial: Intarsienstricken in der Runde

Für einige meiner Handpuppen ist es notwendig Intarsien in der Runde zu Stricken. Intarsienstrickerei ist eine Form des mehrfarbigen Strickens, bei der die unbenutzten Fäden nicht hinter den gestrickten Maschen mitgeführt werden (wie z.B. beim Fairisle) sondern jede Farbfläche einen eigenen Faden hat und sich diese an den Schnittstellen überkreuzen. Intarsien werden meist für größere Flächen benutzt und wo fairisle einen zu dicken Stoff produzieren würde.

Normalerweise strickt man Intarsien in Reihen. Durch das Hin- und Herstricken sind die Fäden der einzelnen Farbflächen immer in Strickrichtung abgelegt. Beim Stricken in der Runde sind die Fäden allerdings nach der ersten Runde immer am Ende der Farbflächen und nicht am Anfang. Genau hier liegt das Problem, weshalb man Intarsien nicht direkt in der Runde stricken kann, ausser man schneidet nach jeder abgeschlossenen Runde alle Fäden ab und beginnt si immer wieder von vorn, was unglaublich viel Zeit beim Einweben der Enden beanspruchen würde.

Die hier gezeigte Methode zum Intarsienstricken in der Runde simuliert eigentlich nur das arbeiten in der Runde, ist im Prinzip aber Stricken in Reihen. Dabei werden nach jeder Reihe beide Enden miteinander verbunden. Diese Nahtstelle kann man auf verschiedene Art und Weise verbinden, hier ist die Methode die ich angewandt habe bei 2 Farbflächen:

In diesem Tutorial ist die Hauptfarbe schwarz und die Kontrastfarbe weiß.

 

1. Beginne mit der Hauptfarbe, wechsle dann zur Kontrastfarbe und stricke bis zum Ende der Farbe.

 

 

 

2. Lege den Faden vor die nächste Masche und hebe diese Masche ab.

 

 

 

 

3. Gestrick wenden. Jetzt ist die abgehobene Masche vom Faden umwickelt.

 

 

 

 

 

 

4. Die umwickelte Masche wieder abheben.

 

 

 

 

5. Die nächsten Maschen werden bis zum Ende der Farbfläche links gestrickt. Bei der ersten Masche muss darauf geachtet werden, dass der Faden nicht zu stark angezogen wird, da sonst die umwickelte Masche später schwerer zu stricken ist.

 

 

 

6. Zur Hauptfarbe wechseln. Hier ist es sehr wichtig aufzupassen. Die vorher benutzte Farbe (hier Kontrastfarbe) muss über dem neu aufgenommenen Faden (hier Hauptfarbe) liegen. Durch das Verkreuzen werden an dieser Stelle die beiden Flächen zusammengehalten. Vergisst man diesen Schritt, bleibt zwischen den Teilen ein Loch.

 

 

 

 

 

7. Bis zur vorletzten Masche der Hauptfarbe links stricken.

 

 

 

8. Mit der rechten Nadel wird der umschlungene Faden der Kontrastfarbe abgehoben und hinter die in der Vorreihe abgehobene Masche auf die linke Nadel gelegt. Wurde der Faden in der Vorreihe zu fest gezogen, merkt man das jetzt.

 

 

 

9. Stricke die abgehobene Masche mit der Schlinge links zusammen.

 

 

 

 

10. Wende die Arbeit und hebe die erste Masche ab (die eben Zusammengestrickte). Stricke glatt rechts bis zum Ende der Hauptfarbe.

11. Lege wie in Schritt 6 den Faden der benutzten Farbe (jetzt Hauptfarbe) über den neu aufgenommenen Faden (jetzt Kontrastfarbe)

Wiederhole von Schritt 1.

So sieht das Ganze dann von vorn und hinten aus nachdem man ein paar Runden gestrickt hat:

intarsien in der runde stricken

crossed yarns: gekreuzte Fäden; wraps: umwickelte Masche

Zur nähereren Erklärung für umwickelte Maschen ist hier noch ein Videotutorial (nicht von mir. Es ist eigentlich für verkürzte Maschen gedacht, aber die Technik ist dieselbe.

str-intrunde


Comments

  1. Edit, hatte rechtschreibfehler: Hallo! Man findet sooo wenig Material zu dieser strickweise aber komischerweise können es alle strick Profis. Wo die das gelernt haben, weiß der geier! XD
    ich habe fragen. Und zwar: muss ich für diese Technik in runden eine rundstricknadel verwenden, oder geht es auch mit nadelspiel? Ist die hässliche Seite außen ? Und: angenommen , ich möchte ein einfaches größeres rotes herz in einen weißen socken stricken, welches zentral am socken ist, muss ich dann für die Grundfarbe des socken zwei knäuerl verwenden? Also 2x weiß und einmal rot ?
    Mfg hoffe sehr auf Antwort
    Moni

    • Hallo Moni,
      ja es gibt wirklich wenig zu diesen eher nicht ganz so häufig benutzten Techniken. Selbst auf Englisch – worüber man sonst doch recht viel findet – ist diese Technik sehr wenig zu finden. Ich hab sie mir im prinzip selbst erarbeitet durch die Kombination von mehreren Anwendungsgebieten (verkürzte Reihen z.B.).
      Zu deinen Fragen:
      Du kannst eine Rundstricknadel oder Nadelspiele verwenden, das ist relativ egal. Im Tutorial zeige ich es mit Nadelspiel.
      Die hässliche Seite ist innen (wenn du damit die links gestrickte Seite hier im Beispiel meinst).
      Wenn du eine Form mit einer gerade Seite hast, kannst du mit nur 2 Knäulen stricken – 1 Hintergrundfarbe + 1 Formfarbe. Bei einem Herz hast du eine unregelmäßige Form, daher würde ich empfehlen – wie du es schon festgestellt hast – mit 2 Knäulen für die Hintergrundfarbe zu arbeiten und am Beginn der Reihe den Übergang zu machen. Bei Socken würde ich dir auch empfehlen für den Bereich wo du das Herz einstrickst eine dünnere Nadel zu nehmen. Wenn du nicht gerade eine identische Maschenprobe bei Rundstrick und Reihenstrick hinbekommst, werden die Intarsienmaschen sonst einfach größer und es könnte etwas komisch aussehen.

      Ich hoffe diese Antworten helfen dir ein wenig weiter und gutes Gelingen für die Socken!
      Viele liebe Grüße,
      Anne

  2. Vielen dank für die schnelle und gute Antwort
    Ich werde mich die tage nochmal ran sitzen will das unbedingt können ^_^
    Hast mir sehr weitergeholfen
    Mfg moon

  3. Hallo, Anne,
    ich bin Strickanfänger und habe mir viel selbst erarbeitet durch ausprobieren. Ich möchte gern runde Untersetzer mit verkürzten Reihen stricken und mir die Muster
    selbst gestalten. Ich finde aber keine Hinweise, in welchen Verhältnis die Reihen verkürzt werden. Wenn ich z. B. mit 35 Maschen beginne, wie viele Maschen werden
    dann nicht gestrickt – eine Masche oder fünf oder so?
    Kannst du mir das erklären? Danke dir für deine Bemühungen.
    Liebe Grüße
    Regenliesel

    • Hallo Regenliesel,

      bei flachen runden Sachen kenn ich mich leider diesbezüglich auch nicht so gut aus. Ich kenn da nur die Variante mit den normalen Zunahmen. Dazu habe ich hier einen Rechner gefunden wieviele Maschen du pro Runde zunehmen musst: http://www.maschenrechner.indigoschneegruen.de/mr_kreis_runden.php
      Die musst du auch zunehmen (das gilt wenn du in der Mitte des Kreises anfängst, wenn du von aussen nach innen arbeitest, musst du natürlich diese Anzahl Maschen abnehmen) wenn du mit verkürzten Maschen arbeitest.

      Liebe Grüße und ein schönes Pfingstwochenende,
      Anne

  4. Gabriele Venema: Juni 4, 2018 at 2:30 pm

    Liebe Anne,
    ich habe eine Frage: Ich möchte Intarsientechnik anwende, um Strümpfe zu stricken. Dabei wird der Schaft in zwei Farben gestrickt, d. h. die Hälfte der Maschen z. B. schwarz, die andere Hälfte silbergrau. An den Farbübergängen, die gleichzeitig an einem Nadelwechsel stattfinden müssen, gibt es relativ breite „Gässchen“, die ich auch nicht durch festes Anziehen und verkreuzen der Fäden verhindern kann. Hast du einen guten Rat für mich?
    Ich freue mich auf eine Antwort.
    Viele Grüße
    Gabriele

    • Liebe Gabriele,

      das Problem entsteht vermutlich durch die Nadeln und weniger durch die Technik. Auch bei normal gestrickten Socken kann es dazu kommen, dass man diese Gassenbildung hat. Versuche doch einmal testeshalber ob das Problem verschwindet wenn du alle paar Reihen die Nadeln alle um 1 Masche versetzt und dann wieder zurückversetzt. So könnte sich die Gasse etwas verwischen und ist nicht so auffällig.
      Auf der anderen Seite kann es auch passieren, dass die Gassen völlig verschwinden sobald du die Socken einmal gewaschen und getragen hast. Durch das Tragen verteilt sich der Faden gleichmäßiger. Hast du schon eine Socke fertig, bei der du es probieren könntest?

      Liebe Grüße,
      Anne

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