Fuchswolle

Fuchswolle

Werbung – ohne Auftrag

Neulich bin ich über den wundervollen Podcast Woolful von Ashley (auf englisch) gestolpert, die gerade dabei ist eine Wollverarbeitungsmühle aufzubauen. Sie spricht mit einigen tollen Menschen – vom Schafscherer, Strickdesigner, Färber bis hin zu anderen Verarbeitungszweigen. Entstanden ist ein einzigartiges Kaleidoskop intereassanter Menschen. Unbedingt reinhören!

Ashleys Podcast hat mich wieder an eins der Ziele erinnert die ich mir vor langer Zeit einmal gesetzt habe: ausschliesslich mit natürlichen Materialien arbeiten. Acrylfasern habe ich schon eine Weile aus meinem Vorrat verbannt (ausser ein paar spontan im Laden gekauften Sockenwoll-Ausnahmen). In der Regel mag ich das Gefühl von Acryl oder auch generell Kunstfasern nicht auf der Haut (da ist ja jeder anders ;)). Nachdem ich die Takoma-Jacke aus Wolle aus Irland gestrickt habe, ist mir erst bewusst geworden wie sehr sich die Qualität bei weniger „veredelter“ Wolle durchs Tragen verbessert. Sie wird weicher, ist schmutzabweisend, riecht leicht nach Schaf und ist so viel wärmer als viele andere Fasern ohne einen direkt zum Schwitzen zu bringen.

fuchs1

Ashley hat noch einen anderen Aspekt hervorgehoben – die Wolle lokal zu produzieren. Lokal (wie auch immer man das definiert – regional – national – europaweit?) zu kaufen ist ein Trend momentan, aber Wolle wird in der Regel an anderer Stelle weiterverarbeitet als im Ursprungsland. Ich kenne einige Firmen, die ihre Wolle inzwischen komplett in den USA herstellen, aber hier in Deutschland? Ich möchte mein Garn dort beziehen wo ich herkomme und nicht wieder einmal um den Globus schicken.

Nach einige wilden Spekulationen und Plänen was es denn brauchen würde um meine eigene Wollverarbeitungsstrecke aufzubauen (zuviel Zeit wenn man die Kinder von der Schule abholen fährt?), bediente ich die Internetsuche ob es nicht schon Firmen gibt, die kleinere Mengen Schafwolle verarbeiten und nicht gleich eine Tonne wollen – falls ich hier einen Schäfer finden sollte der mir geeignete Wolle abgibt.

Genau diese Suche hatte ich vor ein paar Jahren gemacht mit enttäuschenden Resultaten. Die Dinge haben sich geändert! Ich denke das wachsende Interesse an regionalen Produkten und die große Woll-Community hat es kleinen Firmen möglich gemacht zu wachsen.

fuchs2

Zurück zur fertigen Wolle: Ich fand eine Schaffarm, die von einer kleinen Gemeinschaft enthusiastischer Handwerker geführt wird. Den Finkhof in Bad Wurzach.

Sie führen den Hof seit den 70er Jahren und es ist so schön zu sehen, dass ein so geführter Hof in dieser langen Zeit funktioniert. Der Finkhof hat sich darauf spezialisiert Schafwolle von seltenen Rassen maschinell zu verspinnen. Sie kaufen zwar inzwischen, dank der großen Nachfrage, von anderen Schäfern der Region Wolle auf, achten aber auch dabei auf kbA-Qualität. Die hofeigene Wolle ist immer mit einem Schafskopfsymbol markiert.

Sie selbst halten die Rasse Coburger Fuchs. Die Wolle ist leicht rötlich und enthält zum Teil rote Fasern. Ich habe 400g der dünnen Fuchswolle, 200g der dicken Fuchswolle und 100g graumelierte Sockenwolle gekauft.

finkwolle

Am Dienstag ist die Wolle angekommen und ich muss sagen mein erster Eindruck war eher ernüchternd, da die Wolle (natürlich!) nicht sooo extrem weich ist. ABER! Jetzt beim Stricken wird die Wolle schon sehr viel weicher – sie ist im Knäul tatsächlich kratziger als im Gestrick.

Also was stricke ich damit jetzt eigentlich genau? Meine Wahl viel auf den wunderbaren Seacoast Pullover von Joji Locatelli veröffentlicht in Wool People 7 von Brooklyn Tweed. Ich finde toll, dass die Fuchswolle nur etwas dünner ist als Brooklyn Tweeds Shelter Wolle. Das eröffnet so viele neue Möglichkeiten :D.

seacoast1 seacoast2

 


Recommended Posts

Comments

  1. […] habe es endlich geschafft ein Foto von meinem fertigen Seacoast Pullover zu schiessen. Er ist wunderbar leicht (nur 300g schwer!) und warm. Das Rot vom Coburger Fuchsschaf […]

  2. […] habe aus dem Sockengarn vom Finkhof – Überraschung – Socken gestrickt. Die Wolle ist etwas dicker als die normale […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.