Sticken mit Strickgarn, geht das? Worauf du achten solltest!

“Kann ich auch mit Strickgarn sticken?” – Diese Frage habe ich jetzt schon öfter gestellt bekommen. Da ich das selbst schon öfter gemacht habe, möchte ich meine Erfahrungen und Beobachtungen mit euch teilen.

Als allererstes: ich bin gar kein Fan von festen Regeln. Deshalb fiel es mir sehr schwer das “Worauf du achten SOLLTEST” in den Titel zu schreiben. letztlich kann jeder so sticken und herumprobieren wie er/sie möchte. Doch gerade wenn man sich noch nicht so gut auskennt, helfen diese Regeln einem sehr schneller an das Ergebnis heranzukommen, das man sich vorstellt.

Denn mal ganz ehrlich: am Anfang macht man nun mal viele Anfängerfehler und das demotiviert doch recht schnell wenn es zu oft nicht klappt wie man es sich vorstellt. Auch ich spreche da aus Erfahrung 😀

Deshalb, gibt es hier doch mal ein paar Regeln oder wie ich sie lieber nenne: Leitfäden an denen du dich entlang hangeln kannst. Und wenn du sie nicht mehr brauchst, weil du das Prinzip verstanden hast, dann lass sie los und experimentiere soviel du möchtest!

Sticken mit Strickgarn- darauf solltest du achten

Kann ich mit Strickgarn sticken?

Beim Sticken wird ein Faden sehr sehr oft durch ein Stück Stoff gezogen. Das erzeugt Reibung am Faden. Stickgarne sind so konzipiert, dass sie mit dieser Reibung sehr gut klar kommen.

Beim Stricken werden die Maschen ganz anders bewegt und sind bei weitem nicht soviel Reibung ausgesetzt. Während beim Stricken immer nur der Teil des Garns Reibung ausgesetzt ist, der gerade gestrickt wird (also vorne an der Masche), wird beim Sticken immer der komplette Faden beansprucht.

Froschauge besticken mit Strickgarn

Warum ist das wichtig zu wissen?

Strickgarne sind nicht zum Sticken konzipiert sonderns fürs Stricken. Sie KÖNNEN schneller reißen, weil sie mit der vielen Reibung nicht klar kommen.

Betonung liegt auf können, weil manche Strickgarne sehr wohl super zum Sticken geeignet sind.

Worauf muss ich beim Sticken mit Strickgarn achten?

Ein ganz einfacher Trick beim Sticken mit Strickgarnen ist es den Faden viel kürzer zu nehmen als bei Stickgarnen.

Bei empfindlichen Fäden nehme ich meist nur die Hälfte der üblichen Länge.

Dadurch wird der Faden nicht so lange der starken Reibung ausgesetzt und reißt nicht.

Lieber einmal mehr neu angesetzt als mittendrin ein gerissener Faden.

Die Technik sollte zum Garn passen

Komplexe Stiche mit fluffigem Garn? Da wirst du nur die Hälfte sehen können. Mal davon abgesehen, dass es wahrscheinlich sehr nervtötend werden kann die richtigen Stellen zu treffen.

Simple is best – einfach und schlicht ist bei vielen Strickgarnen die beste Lösung. Kettenstich, Knötchenstich, Plattstich, Vorstich, Rückstich, Langettenstich. Das sind alles sehr einfach gehaltene Stiche mit denen du die Fäden nicht so sehr beanspruchst. Bei komplexen Stichen, die viele Arbeitsschritte pro Stichfolge brauchen, kann es passieren, dass du den Faden sehr oft wechseln musst, weil er schneller reißt.

Immer auf die Pflegehinweise achten

Das tollste Strickgarn bringt dir leider nichts, wenn du es später verfilzt aus der Waschmaschine holst. Viele natürliche Handstrickgarne kannst du nicht mit der anderen Wäsche waschen und brauchen eine Sonderbehandlung. Deshalb achte unbedingt darauf bevor du dir die viele Arbeit machst und deine Kleidung damit bestickst.

Am einfachsten ist es, nur die Sachen, die du eh per Handwäsche oder Wollwaschgang wäschst mit solchen Strickgarnen zu besticken. Andere Kleidung, die du immer im normalen Modus gewaschen hast, kannst du mit Garnen besticken, die sich ebenfalls waschen lassen.

Wenn du dir eine Regel äh Leitfaden merkst, dann diesen: immer dasselbe Material für Garn und Stoff benutzen.

verfilzte Tischdecke mit Wollgarn
Hier nochmal mein Antibeispiel: Wollgarn auf einer Tischdecke – nach mehreren Waschgängen leider verfilzt

Sticken auf Stricksachen mit Strickgarn

Hier machen sich Strickgarne am besten. Wenn du z.B. einen Pullover gestrickt hast und ihn danach mit dem selben Garn bestickst, ist es der Idealfall.

Das Gute beim Besticken von Stricksachen ist, dass die Reibung nicht so hoch ist wie beim Besticken von Stoff. Gilt natürlich nicht, wenn du ein sehr feines, engmaschiges Gestrick hast wie ein Jerseystoff. Hier rede ich rein von handgestrickten Sachen bzw. gröberen Stricksachen aus dem Handel.

Handgestricktes kannst du durchaus auch mit einem längeren Faden besticken.

Achte auf jeden Fall darauf, dass Gestricktes immer elastisch ist. Deshalb müssen auch die Stickstiche etwas Spiel haben. Lass die Stiche etwas lockerer als normal damit sie nicht die Strickmaschen zusammenziehen. Kettenstiche und Langettenstiche sind zum Beispiel flexibler und fügen sich gut ins Gesamtbild von Stricksachen ein.

Wichtig ist: nicht rupfen. Immer vorsichtig und sanft mit Strickgarnen umgehen und sie langsam durchziehen. Sonst reißt dir nicht nur der Geduldsfaden sondern auch der den du in der Hand hälst.

Sticken mit Strickgarn - fluffiges Teddystrickgarn als Highlight

Fluffiges Strickgarn

Die Rede ist natürlich von Mohair und co.

Schau dir unbedingt vorher die Waschhinweise an, denn gerade diese Garne verfilzen sehr gerne.

Bei dieser Art von Garnen hilft nur ausprobieren. In der Regel sind sie ja durch einen stabileren Faden gut zusammengehalten. Dennoch empfehle ich diese Garne nur als Highlight zu benutzen und nicht alles damit zu sticken. Das ist ein bisschen wie mit Metallicgarnen. Es sieht schön aus, ist aber die reinste Fitzelarbeit.

Mit Strickgarn auf Stoff sticken

Je nachdem wie grob oder fein dein Stoff ist, kannst du dickeres oder dünneres Garn nehmen. Es hängt auch ein wenig davon ab wie weich oder fest dein Garn ist.

Der Punkt ist der, dass das Garn wenn es durch den Stoff gestickt wird immer Platz verbraucht, der eigentlich nicht da ist. Das heißt, der Stoff muss sich etwas zur Seite drängen lassen, damit der Faden Platz hat. Das geht natürlich auch nur bis zu einer bestimmten Grenze und ab da macht der Stoff ulkige Sachen.

Wenn der Faden zu dick ist für den Stoff fängt der Stoff an sich zu wellen und es entstehen Falten. Das ist in den allermeisten Fällen nicht gewollt. Deshalb ist es sehr wichtig darauf zu achten ob der Faden wirklich die richtige Dicke hat.

Andersherum kann ein zu dünner Faden in einem gröberen Stoff nahezu untergehen. Gerade auch bei fussligen Stoffen wie Fleece oder Frottee muss der Faden genug Volumen haben um überhaupt sichtbar zu sein.

So findest du heraus ob der Faden zum Stoff passt

Nimm dir eine Stelle am Kleidungsstück, die später nicht so sichtbar ist. Dann stick 2-3 Stiche und schau dir das Ganze an:

  • War es sehr schwer den Faden durchzuziehen? (das kann auch von einer zu kleinen Nadel kommen, mehr dazu weiter unten)
  • Wellt sich der Stoff wo die Stiche sind?
  • Wenn du den Faden wieder herausziehst, sehen die Löcher im Stoff unproportional groß aus oder sind die Ränder sogar etwas eingerissen?

Dann ist dein Faden vermutlich zu dick für diesen Stoff. Auch wenn es noch so schön aussieht: Geh auf Nummer sicher und wähle ein dünneres Garn.

Sticknadeln

Die richtige Nadel zum Sticken mit Strickgarnen

Ob du es glaubst oder nicht, die Sticknadel hat tatsächlich einen großen Einfluss beim Sticken.

Gerade beim Sticken auf Kleidung, wo öfter auch gestrickte Stoffe dabei sind, kannst du dir ganz viel kaputt machen wenn du die falsche Nadel nimmst.

Spitze oder keine Spitze?

Beim Sticken auf Strick, nimm immer eine Nadel ohne Spitze. Ob fein oder grober Strick, das spielt keine Rolle. Bei Gestricktem hast du immer schon Löcher vorgegeben. Nutze sie um deine Stiche zu machen anstatt mitten durch die Fäden des Gestricks zu stechen. Bei feinen Strickstoffen wie Tshirts machst du dir damit sehr schnell Löcher in den Stoff und unweigerlich auch Laufmaschen.

Also: Bei Strickstoffen immer eine Nadel ohne Spitze also mit abgerundeter Spitze sticken. Bei feinen Strickstoffen auch tendenziell immer eine dünne Nadel mit dünnem Faden nehmen sonst sind die Löcher quasi vorprogrammiert.

Bei gewebten Stoffen sind spitze Nadeln meist sinnvoller, weil die Löcher in der Regel nicht groß genug sind um leicht hindurchzustechen. Hier musst du lediglich darauf achten, dass die Nadel passend zum Faden ist.

Bei gewalkten oder gefilzten Stoff kannst du beides nehmen. Wenn es geht bevorzuge ich persönlich die runde Spitze da es sich damit angenehmer mit Wolle sticken lässt. Manche Walk- oder Filzstoffe sind allerdings sehr dicht, sodass du um die spitze Nadel nicht herumkommst.

Babyjacke besticken - Blätter
Sticken auf Wollwalk mit Wollgarn

Wichtig: die Größe der Sticknadel

Ein bisschen angedeutet habe ich es ja schon. Die Größe der Nadel ist tatsächlich ausschlaggebend. Zum einen die Dicke/Stärke der Nadel, zum anderen aber auch die Größe und Form des Nadelöhrs.

Ja, ich weiß, noch mehr zu beachten. Doch es lohnt sich tatsächlich sich einmal die richtigen Werkzeuge anzuschaffen und dann seine Ruhe zu haben.

Die Stärke der Sticknadel sollte immer zum Stoff und dem Faden passen. Die Nadel soll ja nicht nur den Faden halten, sondern auch Platz schaffen im Stoff, sodass der Faden ganz leicht hindurchgleiten kann ohne, dass zuviel Reibung entsteht.

Ist die Sticknadel zu dünn, muss auch der Faden nochmal Platz schaffen und dadurch steigt die Reibung am Stoff – der Faden wird stärker beansprucht, nutzt sich ab und reißt schneller.

Bei einer zu großen Sticknadel machst du im Stoff unnötig viel Platz und der Stich hält womöglich nicht gut seine Form. Ausserdem kann es sein, dass die Löcher dann optisch zu stark vom Gestickten ablenken.

Das Nadelöhr ist ebenso wichtig. Wenn du ewig brauchst um den Faden durchs Öhr zu quetschen, ist die Nadel wahrscheinlich zu klein.

Das Öhr sollte innen schön abgerundet sein und keine scharfen Kanten haben, denn auch dass beansprucht den Faden und er reißt schneller. Das gilt zwar bei für alle Fäden, aber gerade weil Strickgarne anfälliger sind, solltest du darauf achten.

Sticken mit Strickgarn ja oder nein?

Lange Rede kurzer Sinn: du kannst definitiv mit Strickgarn sticken. Gerade wenn du dasselbe Strickgarn für Kleidungsstück und Stickerei benutzen kannst, ist es ideal. Beachte die oben beschriebenen Leitfäden damit alles gut klappt.

Wie beim Sticken mit Stickgarn gibt es für jedes Garn Dinge, die gut oder weniger gut funktionieren. Es gibt so viele unterschiedliche Strickgarne, sodass es schwer ist alle Eventualitäten abzudecken.

Wenn es geht, mach immer ein paar Teststiche an einer unauffälligen Stelle bevor du loslegst. So kannst du sofort reagieren wenn doch noch etwas angepasst werden muss und hast nicht plötzlich lauter riesige Löcher mitten auf deinem Shirt wo man es nicht mehr kaschieren kann.


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